Vitamin D für ein besseres Therapieergebnis
PETAH TIKVA - Vor gerade einmal zwei Jahren begann die Diskussion, ob ein Vitamin-D-Mangel bei Hepatitis C eine Rolle spielen oder gar den Krankheitsverlauf und die Therapiechancen beeinflussen könnte. Inzwischen weiß man, dass bei chronischen und cholestatischen Lebererkrankungen häufig ein Vitamin-D3-Mangel vorliegt. Außerdem ist ein solcher Mangel bei Hepatitis C nicht nur mit einem schlechterem Therapieansprechen verbunden, sondern besteht offenbar auch bei den HCV-typischen extrahepatischen Manifestationen wie Kryoglobulinämie oder Vaskulitis. Wird dieser Mangel behandelt, verbessert sich auch das Therapieansprechen. Welcher Mechanismus dafür verantwortlich sein könnte, wurde in einer in-vitro-Studie von israelischen Forschern untersucht1: einer bestimmten Leberzell-Linie wurde Vitamin D3 oder seine aktive Form Calcitriol zugefügt. Es zeigte sich, dass sich so die Virus-Vermehrung hemmen lässt. Die Forscher folgerten, dass die antivirale Wirkung von Vitamin D über Calcitriol erfolgt und eine Kombination aus Vitamin D3 oder Calcitriol und Interferon-alfa sich in seiner Wirkung auf die Hemmung der HCV-Produktion ergänzen könnte.
Eine weitere Studie aus Israel mit 72 therapienaiven Genotyp-1-Patienten scheint die These dieser Studie zu bestätigen2. Die eine Hälfte der Patienten erhielt eine Standardkombinationstherapie aus PEG-Interferon und Ribavirin und zusätzlich 2000 Einheiten Vitamin D3 täglich, die zweite Gruppe die identische Therapie ohne Vitaminzugabe. Die Patienten-charakteristika waren in beiden Gruppen ähnlich, wobei die Patienten in der Gruppe mit Vitamin-D-Supplementierung sogar einen höheren BMI, eine höhere Viruslast und häufiger eine Leberfibrose (F2-Score 42 vs. 19%) hatten als in der Kontrollgruppe. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Ein Therapieansprechen in Woche 4 (RVR) hatten in der ersten Gruppe 44% gegenüber 17% der Gruppe 2, in Woche 12 (EVR) waren es 94 vs. 48%. Einen anhaltenden Therapieerfolg (SVR) hatten unter der Vitaminkombination 86% der Patienten gegenüber lediglich 42% in der Kontrollgruppe.
Was hat es mit diesem Vitamin auf sich? Vitamin D bzw. Calcitriol ist kein Vitamin im eigentlichen Sinn, sondern ein Hormon. Vitamin-D-Mangel ist weit verbreitet und wird offenbar unterschätzt. Vor allem im Winter ist ein schwerer Vitamin-D-Mangel häufig: 90 Prozent des benötigten Vitamin D wird mit Hilfe von Sonnenlicht in der Haut gebildet, die UV-Strahlung ist zwischen Oktober und März jedoch in unseren Breiten oft zu schwach, sodass zu wenig Vitamin D gebildet wird. Über die Ernährung kann diese Substanz nur begrenzt aufgenommen werden: Sie ist vor allem in Lebertran, Lachs oder Makrele enthalten. Gewarnt wird trotzdem vor einer Vitamin-D-Einnahme ohne ärztliche Rücksprache. Vielmehr sollte zunächst der Vitamin-D-Spiegel gemessen und bei einem Mangel mit dem Arzt besprochen werden, ob die Einnahme von Medikamenten sinnvoll ist.
Quellen:
- Gal Tanamy M et al: Vitamin D: An innate antiviral agent suppressing hepatitis C virus in human hepatocytes. Hepatology 2011, 54:1570-1579
- Abu-Mouch S et al.: Vitamin D supplementation improves sustained virologic response in chronic hepatitis C (genotype 1)-naïve patients. World J Gastroenterol 2011, 17: 5184-90