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Hatten die „Helden von Bern" Hepatitis C?

HAMBURG/HANNOVER - Fast zeitgleich zur diesjährigen Fußballweltmeisterschaft fand 1954 die fünfte WM in der Schweiz statt. Die deutsche Fußballweltmannschaft wurde vor 56 Jahren überraschend Weltmeister und ging als die „Helden von Bern" in die Fußballgeschichte ein. Aktuelle Nachforschungen legen nahe, dass die damalige Nationalelf auch für Hepatologen und Infektiologen eine interessante Mannschaft sind: Retrospektiv wird nämlich vermutet, dass Spieler dieser Mannschaft mit dem Hepatitis C-Virus infiziert waren.

In den Memoiren einiger ehemaliger Spieler ist von Beschwerden die Rede, die klar auf eine Lebererkrankungen schließen lassen. Nahezu die gesamte Nationalelf hatte nachgewiesene Leberschäden. Außerdem war im Herbst 1954 bei Fritz und Otmar Walter, Helmut Rahn, Marx Morlock sowie Bernd Kubsch ein Ikterus diagnostiziert worden.

Desinfektion mit heißem Wasser

Was war die Ursache für diese Gelbsucht? Einer der Spieler berichtete nach einer Südamerikareise, dass man den brasilianischen Fußballkollegen vor dem Spiel stärkende Substanzen injiziert hatte. Diese habe man dann übernommen und der Nationalelf Vitamin C verabreicht. Andere sprechen von Traubenzucker-Injektionen oder Aufbauspritzen. Fritz Herkenrath, der Ende 1954 eine Gelbsucht hatte, berichtete, dass die Spritzen zwischen den einzelnen Injektionen zur Reinigung nur kurz in heißes Wasser getaucht wurde: Derart ungenügende hygienische Bedingungen sind nahezu perfekt, um Hepatitis-Viren weiterzureichen. Der Verlauf der Erkrankungen, die von den Spielern oder ihren Ehefrauen beschriebenen Symptome und eine Reihe von Indizien legen nahe, dass es sich bei den Erkrankungen eher um eine Hepatitis C-Virusinfektion als eine Hepatitis B handelte. Eine Infektion mit gravierenden Folgen: Einige Spieler litten an einer Leberzirrhose und verstarben ungewöhnlich früh. Richard Franz Herrmann beispielsweise, der - so sagt man - keinen Tropfen Alkohol angerührt hat: Er starb im Alter von nur 39 Jahren an den Folgen einer Leberzirrhose.

Vorsicht, Hepatitis C!

Bei zwei der „Berner-Wunder-Spieler" wurde sogar noch eine Hepatitis-C-Infektion diagnostiziert: Werner Liebrich verstarb 1995 mit 68 Jahren und seine Witwe wusste zu berichten, dass über dem Bett im Krankenhaus ein Schild mit der Warnung „Vorsicht, Hepatitis C!" hing. Auch bei Karl Mai war bekannt, dass er eine Hepatitis C hatte. Der Hannoveraner Leberexperte Prof. Dr. Heiner Wedemeyer, der an den Recherchen zur Lebererkrankung der Nationalelf beteiligt war: „Es wäre wichtig, bei den noch lebenden Spielern festzustellen, ob sie an Hepatitis B oder C leiden. Schließlich können wir diese Erkrankungen heute schon recht gut behandeln."  Besonders erfreulich wäre es, wenn der Deutsche Fußballbund nun die Gunst der Stunde nutzen und sich aktiv an Aufklärungskampagnen zur Hepatitis beteiligen würde.

 

Quelle: Hoffmann C: Fussballweltmeisterschaft 1954: Die Virushepatitis der „Helden von Bern", Dtsch Arztebl 2010; 107(23): A-1159 / B-1018 / C-1006

© Simone Widhalm

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