Angela Merkel: Wissen um Hepatitis C in Deutschland ist wenig verbreitet
Problem der Hepatitis-C-Infektionen werden bislang unterschätzt
BERLIN - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in Berlin-Kreuzberg das Wohnprojekt "Zuhause im Kiez" (ZiK) besucht, in dem Menschen mit AIDS und Hepatitis C betreut werden und sich ein Bild von den Nöten und Bedürfnissen der Betroffenen und der praktischen Arbeit ihrer Helfer gemacht: „Es gilt, die Dinge beim Namen zu nennen, die Angst zu nehmen, Prävention möglich zu machen und damit die Schicksale von Menschen auch besser zu gestalten."
Seit dem Mauerfall im Jahre 1989 hat sich das ZiK zu einem Wohnprojekt für chronisch kranke Menschen entwickelt, das differenzierte Versorgungsangebote macht - früher für Menschen mit HIV/AIDS. Heute sind bereits 30 % der Betreuten mit Hepatitis C infiziert. Darüber hinaus werden die Betroffenen und ihre Angehörigen vom Pflegeteam „FELIX" bei Bedarf ambulant betreut. Das zum ZIK gehörende Café und Restaurant ist nicht nur für die Bewohner, ihre Familien und Freunde, sondern auch für die Nachbarn eine beliebte Anlaufstelle geworden. Ein wichtiger Nebeneffekt der Integration in den Kreuzberger Kiez: Menschen ohne Hepatitis C oder HIV lernen, Betroffenen ohne Angst vor Ansteckung zu begegnen.
Leben "in der Mitte der Gesellschaft"
ZIK-Geschäftsführer Christian Thomes sagte, der Besuch der Kanzlerin zeige den Betroffenen, "dass sie nicht am Rand, sondern in der Mitte der Gesellschaft leben". Er schilderte, dass mit den Jahren immer mehr Menschen zum ZIK kamen, die nur mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert waren. Seiner Erfahrung nach haben diese einen ähnlich großen Bedarf an Hilfe und Unterstützung wie Menschen mit einer HIV-Infektion.
Gemeinsam mit dem Berliner Senat wurde damals das bundesweit erste Betreuungsangebot für Hepatitis-C-Patienten geschaffen.
Thomes warnte anlässlich des Besuchs der Kanzlerin davor, dass das Problem der Hepatitis-C-Infektionen bislang unterschätzt werde. Von Hepatitis C seien zehn Mal so viele Menschen betroffen wie von HIV. Bei vergleichbaren Übertragungswegen könne das Hepatitis-C-Virus außerhalb des Körpers länger überleben, die Chronifizierungsrate liege bei 60 bis 80 Prozent. Ein Teil der Patienten entwickle eine Leberzirrhose mit Leberversagen oder gar Leberkrebs (HCC).
Die Kanzlerin pflichtete Thomes bei: „Hepatitis C ist ein Thema, das in der Gesellschaft überhaupt noch nicht verbreitet ist. Man kann die verschiedenen Hepatitis-Sorten ja nicht auseinanderhalten, jedenfalls viele Menschen nicht."
Dies ist umso tragischer, weil bei rechtzeitiger Diagnose die schwerwiegenden Folgen einer Virushepatitis verhindert werden können. Strategien zur Bekämpfung der hohen Dunkelziffer der Hepatitis B und C sind also vonnöten, wie die Deutsche Leberstiftung und die Deutsche Leberhilfe e.V. fordern.
Sie möchten sich von Experten über das Thema Hepatitis informieren lassen? Auf den Seiten der Deutschen Leberhilfe e.V. finden Sie im Veranstaltungskalender eine aktuelle Terminübersicht.
Quelle: Pressestatement von Bundeskanzlerin Angela Merkel 26.09.2009
Wer sich zum ZIK informieren möchte, wird hier fündig: http://www.zik-gmbh.de/
© Simone Widhalm