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Das Risiko ist anderswo. Wirklich?

HANNOVER  -  In Las Vegas wurden im Frühjahr diesen Jahres 40.000 ehemalige Patienten einer Klinik gebeten, sich auf Hepatitis C untersuchen zu lassen. In der Klinik hatte es größere Hygieneprobleme gegeben. In Frankreich endete die Untersuchung beim Radiologen für 7000 Patienten mit dem Verdacht eine eventuelle Infektion mit Hepatitis C. In Spanien hatte ein Anästhesist 275 Patienten mit Hepatitis C infiziert. Eine spanische Arbeitsgruppe zur akuten Hepatitis C fand heraus, dass 67 % der Infektionen nosokomial erworben waren. Und hierzulande? Wie sicher darf man sich als Patient fühlen - oder wie groß ist das Hepatitis-Risiko in einem medizinischen Beruf? Denn: Auch in Deutschland  gibt es immer wieder Meldungen von Hepatitis- Infektionen im Zusammenhang mit Krankenhaus-Aufenthalten, Nadelstichverletzungen oder medizinischen Eingriffen. Auf dem vergangenen EASL wurde  dazu eine Studie des „Kompetenznetz Hepatitis" präsentiert, die nun auch veröffentlicht wurde. Die Frage, die sich die Autoren darin stellten, war: Vernachlässigen wir das signifikante Risiko, das von medizinischen Eingriffen ausgeht? Drei Studien wurden dazu genauer untersucht - die „German National Acute Study I und II" sowie die derzeit laufende dritte Studie zur akuten Hepatitis. Insgesamt umfasst die Studie Daten von 254 Patienten mit akuter Hepatitis. Zu den Infektionsquellen: Im Gegensatz zur spanischen Studie waren in Deutschland nur 15% der akuten Hepatitis-Fälle nosokomial bedingt. Bei 16%  der Patienten war intravenöser Drogengebrauch die wahrscheinliche Infektionsursache. Dies ist deshalb bemerkenswert, weil in Berichten zur Hepatitis C der  i.V.-Drogengebrauch meist als Hauptinfektionsquelle angegeben wird  und medizinische Eingriffe unerwähnt bleiben. Einem fast genauso großer Teil (13%) der akuten Infektionen liegen Nadelstichverletzungen zugrunde.  Besorgniserregend fanden die Autoren der Studie, dass bei mehr als einem Viertel der Patienten überhaupt nicht klar war, welcher  Quelle die Infektion entstammen könnte.

Die Empfehlung lautetet daher: Tests auf Hepatitis C sollten nicht nur bei Dialyse-Patienten obligat sein, sondern auch bei Patienten nach invasiven medizinischen Eingriffen. Dabei sollte bedacht werden, dass ein großer Teil der Patienten normale Transaminasen hat und nur ein Hepatitis-Antikörpertest wirklich Auskunft geben kann. Außerdem sollten die Richtlinien zur allgemeinen Infektionsprophylaxe besser befolgt werden.

Diese Studie wird übrigens von Daten aus Italien unterstützt: Auch dort gehen selbst kleinere Eingriffe mit einem deutlichen Übertragungsrisiko für Hepatitis C (und zu einem geringeren Anteil auch Hepatitis B) einher. 

Quellen:

  • Deterding K et al.: Medical procedures as a risk factor for HCV infection in developed countries: do we neglect a significant problem in medical care? J Hepatol. 2008, 48(6):1019-20
  • Tosti ME et al.: Risk of parenteral transmitted hepatitis following exposure to invasive procedures (IP); Results from the hepatitis surveillance system in Italy, EASL 2008 Abstract 759

Auch interessant dazu:

  • Martinez-Bauer E. et al.: Hospital admission is a relevant source of hepatitis C virus acquisition in Spain, J Hepatol 2008; 48: 20-27.
  • Kubitschke A et al.: Injuries from needles contaminated with hepatitis C virus: how high is the risk of seroconversion for medical personnel really?, Internist 2007, 48: 1165-117

Risikofaktor

Patienten (%)

i.v. Drogengebrauch

41 (16%)

Medizinischer Eingriff

38 (15%)

Hospitalisation

1

Chirurgischer Eingriff

30

Bluttransfusion

2

Zahnärztliche Behandlung

1

Andere invasive Eingriffe

3

Akupunktur

1

Nadelstichverletzung

34 (13%)

Tattoo und/oder Piercing

6 (2.3%)

Sexualkontakt/Promiskuität

56 (22%)

Andere

9 (3.5%)

Unbekannt

68 (27%)

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