Nosokomiale Infektionen: Statt Vorsorge - Infektionsgefahr in Röntgenpraxis
PARIS/BARCELONA - Nahezu 7000 Patienten, die sich in fünf nordfranzösischen Röntgen-Instituten einer Untersuchung unterzogen haben, sind in Sorge: Im Departement Aisne an der belgischen Grenze hat man das kleine Einmaleins der Hygiene beispielsweise nach Endoskopien missachtet und es mit der Instrumentendesinfektion nicht so ernst genommen. Zwar wiegelte man behördlicherseits erstmal ab, „das Risiko für eine erfolgte Infektion mit Hepatitis B, C oder gar HIV sei gering". Trotzdem wurden die betroffenen Patienten gebeten, sich untersuchen zu lassen. Außerdem wurde eine Hotline eingerichtet. Der leitende Arzt dieser fünf Praxen wurde von seinen ärztlichen Pflichten entbunden.
Auch in Spanien gab es Infektionen nach diagnostischen Maßnahmen. Dort waren eine Endoskopie und eine kontrastmittelgestützte Computertomographie die Ursache für akute Hepatitis C. Zwei Patienten hatten sich bei einem anderen Patienten, der zuvor untersucht worden war, infiziert. Der Infektionsweg konnte mittels molekularbiologischer Methoden klar nachgewiesen werden.
Wie ist die Situation in Deutschland? Auch hierzulande gibt es Meldungen zu nosokomialen HCV-Infektionen, im vergangenen Jahr beispielsweise aus einer gynäkologischen Ambulanz in Berlin. Eine Studie des Stadtgesundheitsamtes Frankfurt fand heraus, dass noch im Jahre 2003 das Einhalten von Hygiene-Maßnahmen gemäß der offiziellen Richtlinien nach endoskopischen Untersuchungen mangelhaft war - weniger in Kliniken, vor allem in Praxen. Eine ebenfalls vom gleichen Amt 2005/2006 durchgeführte Studie zur Desinfektion von Zystoskopen nach einer Blasenspiegelung deckte ebenfalls Hygiene-Mängel in urologischen Praxen auf.
Wie kann man sich bei einer Untersuchung vor Hygiene-Mißständen und einem möglichen Infektionsrisiko zu schützen? Sich nach den jeweiligen Desinfektionmaßnahmen zu erkundigen, kann zumindest einen Eindruck vermitteln, wie es um die Hygiene in einer Praxis bestellt ist.
Umfangreiche Informationen lassen sich bei verschiedenen Institutionen nachlesen:
- Empfehlungen zu unterschiedlichen Aspekten bei der Desinfektion hat das Robert-Koch-Institut (RKI) hat auf der RKI-Homepage zusammengestellt.
- AWMF-Leitlinien des Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" zur Desinfektion lassen sich online nachlesen.
- Hygiene-Empfehlungen für die Endoskopie sind auch bei der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. zu finden.
- Die Kassenärztlichen Vereinigungen der jeweiligen Bundesländer erteilen nach regelmäßiger mikrobiologischer Überprüfung Hygienzertifikate. Auch danach könnte man sich in einer Praxis erkundigen - am besten rechtzeitig vor einem Eingriff.
Quellen:
1. Pressemitteilung des französischen Ministeriums für Gesundheit, Jugend und Sport, 28.1.2008
2. Quer J et al.: Nosocomial transmission of hepatitis C virus during contrast-enhanced
computed tomography scanning.
Eur J Gastroenterol Hepatol 2008, 20:73-8
3. Heudorf U et al.: German guidelines for reprocessing endoscopes and endoscopic accessories: guideline compliance in Frankfurt/Main, Germany. J Hosp Infect. 2006, 64:69-75
4. Heudorf U et al.: Reprocessing cystoscopes in urology. Guideline compliance in hospitals and private practices in Frankfurt/M, Germany in 2005/2006, Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2007, 50: 1138-44
© Simone Widhalm