Therapiemanagement für bessere Ergebnisse
Besseres Therapiemanagement, bessere Erfolgschancen
BOSTON/MONTPELLIER/ST. LOUIS - Kaum eine Therapie hat in den vergangenen Jahren eine solche Erfolgsgeschichte schreiben können wie die Behandlung der chronischen Hepatitis C mit pegyliertem Interferon und Ribavirin: Hepatitis C ist die eine der wenigen chronischen Erkrankungen überhaupt, die inzwischen heilbar geworden sind. Um die Heilungsraten weiter zu verbessern, ist es sinnvoll, nach jenen Faktoren zu suchen, die einen Therapieerfolg erschweren könnten. Ein ausführliches Gespräch zwischen Arzt und Patient kann dazu beitragen, Ängste vor der HCV-Therapie und ihren Begleiterscheinungen oder Wissenslücken zu beseitigen, um das Durchhaltevermögen zu stärken und Therapieabbrüchen vorzubeugen.
Mehr SVR dank Pflegeschwestern
Der Praxisalltag lässt ein ausführliches Gespräch zwischen Arzt und Patient häufig nicht zu. Daher könnte die Einbindung von Praxispersonal in Patientenaufklärung und Therapiebegleitung eine gute Alternative darstellen, was in anderen Ländern übrigens schon erfolgreich praktiziert wird. Eine französische Studie hat nun untersucht, inwieweit eine Therapiebegleitung durch speziell ausgebildetes Pflegepersonal die Therapietreue unterstützen und folglich auch das Therapierergebnis einer HCV-Behandlung mit PEG-Interferon alfa-2a und Ribavirin verbessern könnte. Die multizentrische, prospektive Studie umfasste 239 Patienten mit vergleichbaren Ausgangsfaktoren, die in zwei Gruppen eingeteilt wurden: Die eine Gruppe wurde routinemäßig versorgt und betreut. Patienten der zweiten Gruppe wurden nach dem Arztbesuch zu Therapiebeginn sowie in Woche 4, 8,12, 24 und 36 zusätzlich von einer Pflegeschwester beraten und mittels standardisiertem Fragebogen zum jeweiligen Kenntnisstand bezüglich Krankheit, Therapie und Therapietreue (Adhärenz) befragt.
Zu den Ergebnissen: Die von den Pflegeschwestern zusätzlich betreuten Patienten der Gruppe A zeigten zum Therapie-Ende mit 74 vs. 62 % eine deutlich bessere Therapietreue. Das zeigte sich auch beim Durchhalten der Therapie: 24 Therapiewochen hielten 84% durch, ohne zusätzliche Unterstützung nur 77%. Noch größer war der Unterschied bei der 48-Wochen-Therapie. 70 % beendeten die 48 Wochen, wenn sie unterstützt worden waren im Vergleich zu lediglich 53% in der Gruppe ohne zusätzliche Betreuung.
Das wirkt sich auch auf das Ansprechen auf Therapie aus: Eine negative Viruslast war zu jedem Zeitpunkt der Therapie signifikant häufiger:
Gruppe A Gruppe B
zusätzliche Unterstützung ja nein
Woche 12: 73% 57% (p<0,01)
Woche 24: 75% 60%
Ende der Therapie 71% 52%
Beeindruckend war auch der deutlich höhere Anteil an anhaltendem Therapieerfolg: Die SVR lag in Gruppe A um 13 % höher als in Gruppe B (38 % vs. 25%), bei Patienten mit Ersttherapie sogar um 16% höher (47 vs. 31%). Der Unterschied zwischen beiden Gruppen war übrigens am deutlichsten bei Patienten mit 48-wöchiger Therapie.
Auch in Deutschland wurde ein Projekt initiiert, das Pflege-/Praxispersonal gezielt schult, um die Betreuung von Hepatitis-C-Patienten zu verbessern Dazu hat Roche im Rahmen einer Online-Studie des Bundes niedergelassener Gastroenterologen (bng) ein spezielles Forum für Hepatitis-C-Pflegepersonal geschaffen. Diese Plattform soll Praxismitarbeiter und -mitarbeiterinnen, die Hepatitis-C-Patienten bei der Therapie begleiten, gezielt unterstützen und den Erfahrungsaustausch untereinander fördern. Das Forum wird ergänzt durch lokale Fortbildungen.
Aufklärungsnot zu Therapiebedarf
Manchmal geht es weniger darum, wie gut HCV-Patienten betreut werden, sondern ob sie überhaupt eine antivirale Therapie erhalten. Aufschluss darüber gibt eine aktuelle retrospektive Studie aus den USA, die anhand einer sehr großen Gruppe von 5701 Hepatitis-C-Patienten untersucht hat, ob und welche Patienten überhaupt eine HCV-Therapie erhalten haben. Die Auswertung der Daten aus dieser Veteranengruppe zeigte, dass 3743 Patienten (65%) einen Arzt mit entsprechender Qualifikation aufgesucht hatten und 894 (15,7%) von ihnen dann tatsächlich behandelt wurden. Die Behandlungsraten variierten in den fünf in die Studie eingeschlossenen Kliniken zwischen 6 und 29%. Die Wahrscheinlichkeit, eine antivirale Therapie zu bekommen war weniger wahrscheinlich, wenn die Patienten älter und/oder allein lebend waren, bereits eine Leberfunktionsstörung, normale Transaminasen, Genotyp 1 oder eine Anämie hatten. Wurden die Patienten von Ärzten betreut, die in dieser Therapie wenig erfahren waren, war es um 77% weniger wahrscheinlich, dass die Patienten auch tatsächlich behandelt wurden. Die Autoren folgern, dass es zwar eine Reihe von Faktoren seitens der Patienten gibt, die eine HCV-Therapie und deren Erfolg voraussagen lassen. Zu einem mindestens ebenso großen Teil werden eine Entscheidung für eine Therapie und der Therapieerfolg jedoch von den Leistungsanbietern/Ärzten und deren Erfahrung bestimmt. Dies wiederum zeigt, dass Aufklärung und Kenntnis nicht nur auf Patientenseite wichtig ist. Für Patienten ist es also vorteilhaft, sich von einem erfahrenen Hepatitis-Therapeuten beraten zu lassen.
Quellen:
- Larrey D: Effects of systematic nurse-provided therapeutic education on adherence and efficiency of PEG-Interferon-2a-ribavirin treatment in chronic hepatitis C (Pegobs Protocol), AASLD 2007, #310
- Kanwal F et al.: Predictors of treatment in patients with chronic hepatitis C infection-Role of patient versus nonpatient factors. Hepatology 2007;46:1741-1749
© Simone Widhalm
Interessant dazu auch:
- Hopwood M: Pretreatment preparation and management of interferon-based therapy for hepatitis C virus infection. J Adv Nurs 2007, 59:248-54
- Fraenkel L et al.: Patients' experiences related to anti-viral treatment for hepatitis C. Patient Educ Couns. 2006, Vol. 62:148-55
- Fraenkel L et al.: What do patients consider when making decisions about treatment for hepatitis C? Am J Med 2005, 118: 1387-1391