Nadelstichverletzungen kosten 47 Millionen Euro jährlich
Unfälle verhüten, Infektionen vorbeugen: Nadelstichverletzungen verursachen Infektionen Und Kosten. Beides kann vermieden werden, meint eine aktuelle Studie.
WUPPERTAL - Verletzen sich Ärzte oder Pflegekräfte an gebrauchten Instrumenten, können schon kleinste Stichverletzungen das Hepatitis-B- Hepatitis-C- oder HI-Viren übertragen. Aber nicht nur das Gesundheitsrisiko ist sehr hoch - auch die Folgekosten können erheblich sein. Anlässlich der 47. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM) stellte Andreas Wittmann, Wuppertal, aktuelle Berechnungen vor. Das Ergebnis: Nadelstichverletzungen verursachen hohe Kosten, zugleich wird wirkungsvoller Schutz billiger. Jede Nadelstichverletzung muss gemeldet werden, auch, um den Versicherungsschutz der Mitarbeiter zu garantieren. Danach müssen sowohl das Blut des Patienten als auch des „gepieksten" Arztes oder der Pflegekraft auf Krankheitserreger untersucht werden. Bei Infektionsverdacht sollten entsprechende Maßnahmen (PEP etc.) eingeleitet werden. Die Arbeitsmediziner haben für jede gemeldete Nadelstichverletzung durchschnittliche Kosten in Höhe von 487 errechnet. Bei 50.000 gemeldeten Nadelstichverletzungen pro Jahr allein in deutschen Kliniken entstehen dadurch Kosten in Höhe von 24 Millionen Euro, bei einer einzigen Hepatitis-C-Infektion wurden Kosten hochgerechnet, die sich in 27 Jahren auf 23.000 € belaufen. Alles zusammen genommen entsteht durch Nadelstichverletzungen jährlich ein Schaden von 47 Millionen Euro. Gleichzeitig wird effektiver Schutz vor Nadelstichverletzungen immer kostengünstiger angeboten, denn inzwischen lassen sich mit modernen Arbeitsinstrumenten Nadelstichverletzungen fast vollständig ausschließen. „Diese innovativen und verletzungssicheren Instrumente werden immer billiger, je mehr von ihnen produziert werden", erklärte Wittmann. Die Universität Wuppertal hat bei den Herstellern von sicheren Produkten eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Demnach sind in den letzten vier Jahren die Kosten für sichere Instrumente um durchschnittlich über 25 % gesunken. „Es fehlt nicht mehr viel, dann können wir mit sicheren Instrumenten kostenneutral unsere Mitarbeiter im Gesundheitswesen vor gefährlichen Infektionen schützen", so Wittmanns Fazit. Wichtig auch für Klinikbetreiber, denn seit August 2006 sind in vielen Arbeitsbereichen sichere Instrumente Pflicht!
Quelle: Mitteilung anlässlich der 47. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM), 21.-24. März 2007 in Mainz © Simone Widhalm
Wo bitte gibt's eine Anleitung zu PEP?
Das Kompetenznetz hat zwei Übersichten zur Postexpositionsprophylaxe (PEP) zusammengestellt - unter „Nadelstichverletzung" in der Menüleiste geht's direkt zu den Handlungsanweisungen. http://www.kompetenznetz-hepatitis.de/aerzteforum/