Etwas anders auf den Zahn gefühlt:
Mit Hepatitis C beim Zahnarzt
Melbourne – Mit Hepatitis C auf dem Zahnarztstuhl – geht
das mit Ressentiments einher? Anlässlich einer Internisten-Tagung
(DGIM) im vergangenen Jahr zeigte sich einmal mehr, dass Betroffene häufig
mit Stigmatisierung und Ablehnung zu kämpfen haben: So verweigern
manche Zahnärzte Hepatitis-C-positiven Patienten die Behandlung,
wie ein Internist zu berichten wusste. In einer australischen Studie1
wurde nun untersucht, wie down under Zahnärzte bei der Behandlung
von Hepatitis-C-Patienten (geschätzte 259000 HCV-positive Australier
bei 28 Mio Gesamtbevölkerung) verfahren.
25 Zahnärzte wurden dazu interviewt. Alle wussten um die Wichtigkeit
des Einhaltens hygienischer Standards, um grundsätzlich Infektionen
zu vermeiden. Allerdings: Wußten die Zahnmediziner um eine Hepatitis-C-Infektion,
misstrauten sie den Vorsorgemaßnahmen. Gleichzeitig hatten sie jedoch
Sorge, dass sich die Patienten bei zusätzlichen Maßnahmen diskriminiert
fühlen könnten. Erfreulicherweise hatte nur eine Minderheit
Ressentiments gegenüber i.v.-Drogenabhängigen, ansonsten sprachen
sich die Zahnärzte dafür aus, alle Patienten gleich zu behandeln.
Und wie sieht es mit der Hygiene in anderen Zahnarztpraxen aus? Eine Studie
der Uni Mainz (2) zum Gebrauch von Latexhandschuhen am zahnärztlichen
Behandlungsstuhl hat gezeigt, dass Anfänger nach der Ausbildung zweimal
so oft beschädigte Handschuhe haben wie erfahrene Zahnärzte.
Bei Patienten, die ein erhöhtes Infektionspotential darstellen könnten,
sollte man deshalb besser ein zweites Paar Handschuhe getragen und zusätzliche,
besonders gründliche Händedesinfektion einplanen.
In einer chinesischen Studie (3), die über zwei Jahre an zehn Zahnkliniken
und zahnheilkundlichen Abteilungen von Allgemeinkrankenhäusern
durchgeführt wurde, zeigte sich, dass die technischen Standards zur
Desinfektion, die von den chinesischen Gesundheitsbehörden herausgegeben
werden, äußerst schlampig befolgt werden: So waren die Handstücke,
die auf das Vorhandensein von Bakterien untersucht worden waren, allesamt
nach Gebrauch bakteriell kontaminiert, 1,6 Prozent mit Hepatitis B. Lediglich
62,9 Prozent jener Handstücke waren desinfiziert worden – und
das wiederum nur mit einer Effizienz von 26,17 Prozent.
Was kann man tun, wenn ein Zahnarzt aufgrund einer Hepatitis
C die Behandlung verweigert?
Grundsätzlich kann niemand zur Behandlung gezwungen werden und niemand
darf eine Behandlung erzwingen. In seltenen Ausnahmefällen kann der
Staat Anordnungen treffen, die die Gesundheit und Selbstbestimmung des
Patienten berühren (z. B. die Einweisungsmöglichkeit nach dem
Unterbringungsrecht oder die Untersuchungen im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes).Rechtlich
gesehen wird zwischen Arzt und Patient ein Behandlungsvertrag abgeschlossen.
Die Behandlung durch den (Zahn)Arzt ist die Erfüllung seiner vertraglichen
Verpflichtung. Dieser Verpflichtung steht die Vergütungs- bzw. Zahlungsverpflichtung
des Patienten, bzw. seiner Krankenkasse gegenüber. Die gegenseitigen
Rechte und Pflichten sind durch das Zivilrecht, und zwar das Dienstvertragsrecht,
insbesondere aber durch die (Muster-)„Berufsordnung der deutschen
Ärztinnen und Ärzte“ geregelt. Ein Zahnarzt kann daher
ebenso wie jeder andere Arzt die Behandlung gleich aus welchen Gründen
verweigern. Anders verhält es sich, wenn ein Notfall vorliegt. Hier
ist der Zahnarzt verpflichtet, die Behandlung durchzuführen.
Quelle: Deutsche Leberhilfe e.V. Köln
Quellen:
- Temple-Smith M:Discrimination or discretion? Exploring dentists' views on treating patients with hepatitis C. Aust Dent J. 2006; 51(4):318-23.
- Doll GM: Efficacy of protection by latex gloves during orthodontic therapy. J Orofac Orthop. 2000, Vol. 61, S. 80-90
- Deng XH: Current status of disinfection and sterilization for dental
handpieces in the hospitals, Zhonghua Yu Fang Yi Xue Za Zhi 2004 Vol.
6, S. 365-8
© Simone Widhalm