Berufsrisiko: Nadelstichverletzungen - Infektion inklusive?
Man sollte meinen, dass es sich unter unter medizinischen Berufsgruppen inzwischen herumgesprochen hat, dass man Nadelstichverletzungen besser ernst nimmt, sie meldet, eventuell entsprechende medikamentöse Maßnahmen zum Verhindern einer Infektion ergreift oder gleich zu sicheren Arbeitsgeräten greift. Doch: weit gefehlt!
BALTIMORE/FRANKFURT - Nadelstichverletzungen zählen zu den typischen Verletzungen in medizinischen Berufen, die mit einem Infektionsrisiko - z.B. für Hepatitis B, C und HIV - verbunden sind. Gleich zwei aktuelle Studien haben sich mit solchen Verletzungen bei Ärzten und Pflegepersonal beschäftigt. In einer US-amerikanischen Studie hatten sich fast alle Befragten schon einmal im Job gepiekst, nur die Hälfte hatte dies jedoch auch gemeldet. In der fünfjährigen Ausbildung hatten sich die Ärzte durchschnittlich acht Mal gestochen, wobei bei jedem dritten Pieks Kollegen Schuld hatten. Typischer Grund für die Stichverletzung: Müdigkeit oder Zeitdruck. Problematisch ist, dass nur die jede zweite Verletzung gemeldet wurde, von den Verletzungen mit hohem viralen Expositionsrisiko sogar nur 16 Prozent. Sechs Prozent der Chirurgen wollten ein Testergebnis ohnehin nicht wissen, fünf Prozent fürchteten sich im Falle einer Infektion vor Stigmatisierung. Wie es um die Häufigkeit von Nadelstichen in der Frankfurter Uniklinik bestellt ist, wurde ebenfalls gerade publiziert. Dazu wurden Daten aus anonymen Fragebögen (n= 226) gesammelt. Von den Teilnehmern hatten 31, 4 Prozent mindestens eine Nadelstichverletzung in den vergangenen zwölf Monaten erlitten. Die Häufigkeit war innerhalb der einzelnen Fachdisziplinen sehr unterschiedlich: 47 Prozent stammten aus der Chirurgie, 19 Prozent wurden aus der Pädiatrie angegeben. Unter allen medizinischen Berufen waren Ärzte mit 55 Prozent am häufigsten betroffen.
Der Gebrauch spezieller Instrumente mit Sicherheitsmechanismen könnte in 11 Prozent (Chirurgie) bis 84 Prozent (Pädatrie) der Fälle helfen, Nadelstichverletzungen ganz einfach ganz zu vermeiden....
Quellen:
- Wicker S (Uni Frankfurt): Prevalence and prevention of needlestick injuries among health care workers in a German university hospital. Int Arch Occup Environ Health. 10.7. 2007, Online-Vorabveröffentlichung
- Makary MA : Needlestick injuries among surgeons in training. NEJM 2007;356:2693-9