HCV-Langzeitdaten: Therapieerfolg versus Leberkomplikationen
Mitunter ist die Entscheidung für eine Therapie nicht immer einfach. Beleuchtet man anhand von Langzeitverläufen, was für oder gegen eine Behandlung spricht, kann das die Entscheidung deutlich einfacher machen. Bei der HCV-Therapie beispielsweise ist das so: Ist das Virus außer Gefecht gesetzt und kann elimiert werden, sind die Perspektiven für die Leber sehr erfreulich!
HIROSHIMA - Therapiekosten, Therapienotwendigkeit, Therapiefolgen - gern genannte Gründe, wenn es darum geht, den Nutzen einer Hepatitis-C-Therapie in Frage zu stellen. Daher ist es sinnvoll, einfach mal zu schauen, wie es Patienten über einen möglichst langen Zeitraum ergangen ist. In einer europäischen Studie des HENCORE-Netzwerks (Hepatitis C European Network for Co-operative Research) Studie hat man untersucht, wie sich eine Viruselimination über einen längeren Zeitraum bemerkbar macht und welche Faktoren möglicherweise mit einem Fortschreiten der Erkrankung - dekompensierte Zirrhose, Auftreten eines hepatozellulären Karzinoms oder Lebertransplantation - assoziiert sind. Insgesamt 1641 Patienten aus acht europäischen Zentren, die 1996/97 in das HENCORE-Kollektiv eingeschlossen wurde, wurden fünf bis sieben Jahre nach Einschluss in die Studie aufs Neue untersucht.
Die Analyse der Daten ergab, dass 93 Prozent der Patienten, die das Virus durch eine Interferon-Therapie oder spontan eliminiert hatten, auch virusfrei blieben und damit als geheilt gelten dürfen. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass bei jenen sieben Prozent der Patienten ohne anhaltende Therapieresponse (SVR) die Viruslast eventuell mit alten und weniger sensitiven Testmethoden gemessen wurde: niedrige, weiterhin bestehende Virustiter wären dabei nicht aufgefallen, sodass man irrtümlicherweise von einer SVR ausgegangen ist. Von den Patienten, die zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Studie bereits eine anhaltende Therapieresponse erreicht hatten, entwickelten 2,3 Prozent Leberkomplikationen, von den Non-Respondern immerhin 31 Prozent. Ein rasches Fortschreiten der Erkrankung bis hin zur dekompensierte Zirrhose entwickelten eher Patienten mit den folgenden Merkmalen: männliches Geschlecht, fortgeschrittenes Lebensalter zum Zeitpunkt der Infektion, HCV-Genotyp 1, vorausgegangenes Therapieversagen sowie bestimmte genetische Merkmale (HLA-DRB1*1201-3 Allel-Träger, Mangel an HLA-DRB1*1301-Allel). Teilweise waren diese Faktoren auch mit dem Entstehen eines Leberzellkarzinoms assoziiert, wobei noch ein weiteres genetisches Merkmal, nämlich das Vorhandensein des HLA-DQ02-Allels, ein HCC-Risikofaktor zu sein scheint. Die Langzeitdaten aus dieser Studie lassen den Schluss zu, dass ein virologisches Ansprechen mit einem sehr geringen Auftreten von Leberkomplikationen einhergeht, was klar für eine Therapie spricht. Besonders im Vergleich mit der hohen Komplikationsrate von mehr als 30 Prozent bei Patienten mit chronischer Hepatitis C scheint ein Therapieversuch daher mehr als lohnenswert. - Die Autoren merken außerdem an, dass ein großer Teil der Patienten leider nicht nachbeobachtet werden konnte. Ein verbessertes, intensiver begleitendes Therapiemanagement wäre jedoch auch im Nachgang einer abgeschlossenen Therapie wünschenswert, um Therapieergebnisse und Krankheitsverlauf über einen langen Zeitraum hinweg noch besser abschätzen zu können.
Quelle: Pradat P et al.: Long-term Follow-up of the Hepatitis C HENCORE Cohort: Response to Therapy and Occurrence of Liver-related Complications. J Viral Hepat. 2007, 14:556-63 © Simone Widhalm
Dazu auch interessant:
- Mizui M: Liver disease in hepatitis C virus carriers identified at blood donation and their outcomes with or without interferon treatment: Study on 1019 carriers followed for 5-10 years. Online-Vorabveröffentlichung Hepatol Res. 11. 07. 2007
- Backus LI et al: Predictors of response of US veterans to treatment for the hepatitis C virus.? Hepatology. 2007, 46:37-47 © Simone Widhalm
- Wiese, L. (2005, Update 2007) Über den natürlichen Verlauf der HCV-1b-Infektion bei Frauen, die durch
HCV-1b infizierte Chargen des anti-D Immunglobulins mit HCV infiziert (als pdf mit Literaturangaben hier lesbar)