Hepatitis C: Schwangerschaft und Stillzeit

Dr. Michael Abou-Dakn
Chefarzt der Gynäkologie
im
St-Joseph-Krankenhaus
Berlin
und Mitglied der
Stillkommission
„Ich bin Hepatitis-C-positiv und ich möchte ein Kind. Darf ich schwanger werden?“
Das Hepatitis-C-Virus wird nur über infiziertes Blut übertragen. Küssen und Kuscheln ist unproblematisch. Beim Sex kommt es drauf an, ob das Risiko besteht, dass es zu Schleimhautrissen kommt. Gibt es kleine Wunden im Genitalbereich? Dann kann es möglicherweise auch zur Übertragung von Hepatitis-C-Viren kommen. Ansonsten gilt: Eine Schwangerschaft ist bei Hepatitis C in der Regel kein Problem. Das Risiko für das Kind, sich bei der Mutter zu infizieren, liegt bei etwa 5 %. Hepatitis-C-positive Mütter können auf natürlichem Weg entbinden. Eine Entbindung per Kaiserschnitt wird wegen des geringen Übertragungsrisikos nicht prinzipiell empfohlen. Jedoch sollte darauf geachtet werden, dass die Haut des Kindes während der Geburt nicht verletzt wird, denn dann kann es zur Übertragung kommen.
Ganz wichtig: Während einer Therapie und bis sieben Monate nach Therapieende dürfen Sie auf gar keinen Fall schwanger werden. Ribavirin kann das Ungeborene schwer schädigen und zum Verlust des Kindes führen. Wenn Sie eine Therapie möchten: Gehen Sie auf Nummer sicher und verhüten Sie konsequent!
„Ich bin schwanger. Kann ich mich jetzt behandeln lassen, bevor das Kind kommt?“
Das Medikament Ribavirin, das zur Kombinationstherapie gehört, kann beim ungeborenen Kind schwere Schäden verursachen. Deshalb ist eine Behandlung während der Schwangerschaft nicht möglich.
Aus diesem Grund ist es auch sehr wichtig, dass Frauen bis zu 4 Monate nach Therapieende eine Schwangerschaft verhüten. Falls Sie eine Therapie machen und während der Therapie die Monatsblutung ausbleibt, sollten Sie umgehend Ihren Arzt aufsuchen. Männer, die therapiert werden, dürfen in dieser Zeit und bis 7 Monate nach Therapieende kein Kind zeugen.
„Kann ich das Hepatitis-C-Virus beim Stillen übertragen?“
Die Nationale Stillkommission empfiehlt auch für die Babys Hepatitis-C infizierter Mütter das Stillen. Das Risiko, das auf diesem Wege das Kind infiziert wird, ist zwar theoretisch vorstellbar, zum Beispiel bei Blutungen aus der verletzten Brustwarze, allerdings gibt es bisher keine nachgewiesene Infektion eines Kindes auf diesem Wege. Sie sollten daher besonders von Anfang an auf eine gute Stilltechnik achten. Sollten sich Ihre Brustwarzen entzünden, verzichten Sie auf das Stillen, bis die Haut gut abgeheilt ist.
