Viruslast bei Hepatitis C
Was sagt die Bestimmung der Virusmenge aus?
Wohl kaum eine Meßmethode hat die Hepatitis-Therapie in den letzten Jahren so verändert wie die Viruslast (engl. "viral load"). Obgleich sie inzwischen in vielen Körperflüssigkeiten bestimmt werden kann, wird unter der Viruslast gemeinhin die Anzahl der im Blut vorhandenen Viruspartikel verstanden. Die Zahlen beziehen sich jeweils auf einen Milliliter (ml) Plasma, also auf zellfreies Blut. Anfangs von vielen Forschern noch recht skeptisch beurteilt, ist die Viruslast längst zu einem unentbehrlichen Diagnostikum geworden, mit dessen Hilfe man sowohl prognostische Aussagen machen als auch sehr genau abschätzen kann, ob eine HCV-Therapie erfolgreich ist oder nicht. Die Viruslast reagiert fast immer rasch und sehr sensibel auf eine Änderung der Therapie. Schon nach wenigen Wochen ist es so möglich, Veränderungen zu erkennen. Bei jedem HCV-Patienten sollte die Viruslast deshalb regelmäßig und zwar mindestens alle 3 Monate bestimmt werden! Allerdings müssen bei der Interpretation der Werte viele Punkte beachtet werden, von denen hier die wichtigsten kurz besprochen werden sollen.
Verläufe der Viruslast unter einer HCV-Therapie und ihre Bedeutung
Sustained Virologic Response (SVR):
Das Kriterium schlechthin für den Therapieerfolg. Bedeutet: Kein Virus nachweisbar 6 Monate nach Ende der Therapie. Zu etwa 90% bleiben Patienten mit einem SVR auch in den Folgejahren virusfrei. Bei der Beurteilung von Studienergebnissen sollte auf dieses Kriterium geachtet werden.
End-of treatment:
Viruslast am Ende der Behandlung. Der Prozentsatz an Patienten, die am Ende einer Therapie eine Viruslast unter der Nachweisgrenze haben, ist immer höher als der Prozentsatz an Patienten mit SVR. Die Patienten, die nach Ende der Therapie einen Wiederanstieg der Viruslast aufweisen, haben einen sogenannten Relapse (deutsch "Rückfall"). Patienten ohne Ansprechen auf die Therapie werden als Nonresponder bezeichnet. Übrigens: neuere Studien weisen darauf hin, daß auch Relapser und Nonresponder von einer Therapie profitieren: viele Patienten aus dieser Gruppe weisen eine histologische Verbesserung der Leber auf.
Die Methoden der Viruslastmessung:
Die Viruslast kann mit mehreren Methoden bestimmt werden, denen gemeinsam ist, daä sie aus winzigen Virusmengen entweder durch künstliche Virusvermehrung oder durch Signalverstärkung "Kopienzahlen" errechnen. Gemeinsam ist diesen Methoden auch, daä sie sehr empfindlich und störanfällig sind. Viele Einflüsse wie Laborfehler oder Transportschäden können die Viruslast verfälschen. Eine Blutprobe für die Viruslast sollte deshalb nicht lange herumstehen, sondern möglichst schnell verarbeitet werden. Die wichtigste Methode ist die PCR (polymerase chain reaction, z.B. Amplicor© von Roche Pharma). Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile, die hier nicht alle aufgeführt werden können. Am wichtigsten ist, dass eine Methode beibehalten und nicht ständig das Labor gewechselt wird. Einmal PCR, immer PCR! Die Nachweisgrenze aller Tests liegt bei 100 Kopien/ml (entspricht 50 IU/ml). Werte darunter werden nicht gemessen. Neuere, sogenannte "ultrasensitive" Tests haben sogar Nachweisgrenzen von 20 - 50 Kopien/ml. Aber Vorsicht: weniger als 20/ml heisst nicht null! Alles, was unter die Nachweisgrenzen fällt, bedeutet "nicht nachweisbar", nicht mehr und nicht weniger.
Das Einmaleins der Viruslast
Weil die Viruslast meist zwischen 20/ml und 10.000.000/ml liegt und damit innerhalb einer groäen Spannbreite liegt, ist man vielerorts dazu übergangen, die Viruslast durch sogenannte Zehnerlogarithmen darzustellen. Ein Beispiel: 10E3 (sprich: "10 Exponent3", entspricht "10 hoch 3") bedeutet: 10 x 10 x 10 = 1.000. Der Zehnerlogarithmus von 1.000 ist dabei = 3 log. Für 100 ist der Zehnerlogarithmus = 2 log (weil 10 x 10 = 100 = 10E2), für 10.000 = 4 log (weil 10E4), für 100.000 = 5 log (weil 10E5) usw. Auch Zahlen, die nicht durch 10 teilbar sind, kann man darstellen. So ist z.B. der Zehnerlogarithmus von 16.000 = 4,2 log (weil 10E4,2). Wichtig ist, dass die messtechnischen Schwankungen, denen die Viruslast unterliegt, bis zu einem halben Zehnerlogarithmus, also 0,5 log oder einer halben "log-Stufe" betragen können. Zwischen 4 log und 4,4 log, umgerechnet sind das Werte von 10.000 und 25.000, muss also nicht unbedingt ein relevanter Unterschied bestehen! Bei der Interpretation solcher Befunde ist daher Vorsicht angebracht.