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Schwangerschaft und chronische Hepatitis C

von Professor R. Zachoval, Klinikum Grosshadern, München

Schwangerschaft ist eine wichtiges Feld im Rahmen der Hepatologie, erklärte Professor Dr. Reinhart Zachoval, Medizinische Klinik II, Klinikum Großhadern, München. Im Fall der Hepatitis C gilt es unter anderem das Risiko für eine vertikale Transmission zu minimieren. Dies kann bei gegebener Indikation vor einer geplanten Schwangerschaft durch eine antivirale Therapie erreicht werden.

Bei bereits bestehender Schwangerschaft wird das Risiko für eine Ansteckung des Feten maßgeblich durch das Ausmaß der Viruslast bestimmt. Auch eine HIV-Koinfektion führt wegen der Erhöhung der HCV-RNA-Spiegel zu einem erhöhten Übertragungsrisiko (Network EPHCV Br J Obstet Gynecol 2001;108:371, Tovo PA et al. Clin Invect Dis 1997;25:1121). Keinen gesicherten Einfluss auf die vertikale Transmission haben der HCV-Genotyp und die Hepatitis-Aktivität. Auch die Art der Entbindung (vaginal vs. Sektio) und das Stillen des Säuglings wirken sich nicht auf das Ansteckungsrisiko aus. „Diese Daten sind gut abgesichert und in den Konsensusempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen enthalten“, sagte Professor Zachoval.

Zum klinischen Verlauf der Hepatitis C bei der infizierten Mutter ist die Datenlage weniger eindeutig. Es scheint ein Trend zu einer Besserung der Transaminasenaktivität gegen Ende der Schwangerschaft zu bestehen. Drei bis sechs Monate nach der Entbindung wird dann aber häufig ein Wiederanstieg der Transaminasen verzeichnet (Romero-Gomez M et al. Med Clin 1998;111-641; Conte D et al. Dig Liver Dis 2001;33:366). Als mögliche Ursache werden schwangerschaftsbedingte Veränderungen des Immunsystems diskutiert. Beschrieben wurde auch ein Anstieg des HCV-RNA-Spiegels zum Ende der Schwangerschaft (Gervais A et al. Hepatol 2000;32: 293, Paternoster DM et al. Am J Gastroenterol 2001;96:2751). Eine kleinere Studie mit histologischer Absicherung gibt zudem Hinweise auf eine Zunahme der Entzündung und Fibrose (Fontaine H et al. Lancet 2000; 358:1328). Kindliche Parameter wie z. B. das Geburtsgewicht bleiben nach heutiger Kenntnis unbeeinflusst. Auch die Rate von Spontanaborten und Schwangerschaftskomplikationen (z. B. Diabetes und Hypertonus) erscheinen nicht erhöht.

Zum klinisch bedeutsamen Schwangerschaftsverlauf bei Patientinnen mit Leberzirrhose, existieren hauptsächlich ältere Studien. Aufgrund einer oft bestehenden Amenorrhö ist das Phänomen eher selten. Bei einem Teil der Patientinnen (30-40%) ist während der Schwangerschaft mit einer Verschlechterung der Leberparameter zu rechnen. Die Morbidität und Mortalität (10%) der werdenden Mutter sind erhöht, hauptsächlich wegen gastrointestinaler Blutungen. Der Nutzen prophylaktischer Maßnahmen konnte bislang in Studien nicht sicher belegt werden. Auch ein Vorteil für die Sektio vs. der vaginalen Entbindung ist nicht erwiesen. Die Rate von Spontanaborten, Frühgeburten und perinatalen Todesfällen ist bei Patientinnen mit vorbestehender Leberzirrhose jedoch signifikant erhöht.

Klinisch bedeutsam ist auch, dass eine wachsende Anzahl junger Frauen nach erfolgter Lebertransplantation schwanger werden möchte. Für diese Patientinnen wird derzeit eine Wartezeit von mindestens einem, besser zwei Jahren nach der Transplantation bis zur Schwangerschaft empfohlen, sagte Professor Zachoval. Eine erfolgreiche Schwangerschaft ist bei guter interdisziplinärer Führung der Patientinnen eher die Regel. Dennoch ist von einer Hochrisikoschwangerschaft auszugehen: Beschrieben sind eine erhöhte Rate an mütterlichen und kindlichen Komplikationen. Eine engmaschige Überwachung ist daher erforderlich und sollte das Labor, Spiegel der immunsuppressiven Medikation, sonografische Kontrollen sowie ein Infektionsscreening einschließen. Die Wahl des Immunsuppressivums beeinflusst nach Studiendaten weder den Schwangerschaftsverlauf noch die Komplikationsraten.

Vortrag im Rahmen des bng-Workshops in Augsburg, 30. Juni 2006